Schließung der Wohngruppen für unbegleitete minderjährige -Flüchtlinge im „Forsthaus“.

Im Februar 2016 eröffnete das Kinder- und Jugendhaus St. Josef im „Forsthaus“ in Bad Oldesloe insgesamt fünf Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Bis Sommer 2017 lebten dort 50 männliche Jugendliche. Im weiteren Verlauf wurde die Platzzahl dann aufgrund neuer Heimrichtlinien auf insgesamt 30 Plätze reduziert.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Wohngruppen gestalteten über einen Zeitraum von nun insgesamt fast drei Jahren Jugendhilfe in einer besonderen Art und Weise. Zu uns kamen junge Menschen, die klare Vorstellungen davon hatten, wie Europa sein sollte und was Schlagworte wie z.B. „Deutschland“ oder „Betreuer“ zu bedeuten haben. In den meisten Fällen fand dann ein Realitätsabgleich mit vielen Enttäuschungen und damit verbundenen Neuausrichtungen der persönlichen Ziele statt. In unserer bewährten Wohngruppenarbeit wurden individuelle Lebenskonzepte erarbeitet, Integration gelebt und das gemeinsame Zusammenleben in völlig neuer Kultur und Umgebung gelernt und eingeübt.

Eine besondere Zeit geht zu Ende

Viele besondere Erlebnisse und Erfahrungen der Betreuten und auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der Rückschau verbunden mit Ferienfreizeiten, gemeinsamen Feierlichkeiten, auch jeglicher Glaubensrichtungen, und der konstanten Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Normen und Werten sowie der Vermittlung der demokratischen Grundlagen unserer Gesellschaft.

Viele der von uns betreuten jungen Menschen konnten in dieser Zeit Schulabschlüsse erlangen, Ausbildungsplätze finden und Ausbildungen beginnen. Andere befinden sich nach wie vor in diesen Prozessen.

Mit Erreichen der Volljährigkeit stand für die meisten jungen Erwachsenen dann der Auszug aus den Wohngruppen an. Aber auch im Anschluss blieb ihnen noch eine ambulante Betreuung durch ihre Bezugserzieherinnen bzw. -erzieher erhalten. Im Januar 2019 endet das bestehende Mietverhältnis für alle Wohngruppen im Forsthaus. Die damit verbundenen Veränderungen stellen sowohl Bewohner als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor neue Herausforderungen. Neue Gruppen entstehen, Auszüge stehen an und eine Phase des Abschiednehmens hat begonnen, von einer besonderen Zeit innerhalb unserer gesellschaftlichen Entwicklung, von einzelnen Menschen, aber auch von einer Zeit der Ungewissheit, die nun durch Erfahrung, Kennenlernen und gegenseitiges Aufeinanderzugehen abgelöst ist. Nun geht es darum, neue Wege zu suchen und zu finden, die jungen Menschen gegebenenfalls in neue Bezüge zu begleiten. Für alle jungen Bewohner werden die weiteren Wege individuell geplant und begleitet.

Die Erfahrungen und die erworbenen Kompetenzen im Bereich der transkulturellen Arbeit sollen in unserer Einrichtung erhalten bleiben. Nicht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können bleiben: Einige wechseln in die vorhandenen Wohngruppen, andere können nicht übernommen werden oder verlassen uns aus persönlichen Gründen. Ein Team wird ab Januar die Räumlichkeiten der alten Theresien-Gruppe beziehen und als Rafael-Gruppe neu beginnen und die Erfahrungen aus der Arbeit mit den jungen Flüchtlingen einbringen.

Birgit Brauer